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Immer wieder Jägerlatein

Quelle: Kölner Stadtanzeiger Nr. 59, Rhein-Erft 45 Donnerstag, 11. März 2010 _____________________________________________________
Mein Standpunkt
Immer wieder Jägerlatein
Karin Oehl lebt seit mehr als 40 Jahren im Rhein-Erft-Kreis und ist viel mit ihren Hunden unterwegs. In „Mein Standpunkt“ nimmt die Pulheimerin auch Stellung zum Artikel „Fünf Jäger, vier Stunden, ein Wildschwein“ vom 17. Februar.
Hierzu aus den Reihen der Jäger folgender Ausspruch: Jedes Kind weiß, dass Jäger lügen. Das Jägerlatein ist sprichwörtlich. Wenn die Jäger doch mal endlich aufhören würden, sich selbst in die Tasche zu lügen, um bei unbedarften Menschen ihr inzwischen mehr als ramponiertes Image aufzupolieren. Rehe sind normalerweise keine Nachttiere und keine Waldtiere. Unter dem Jagddruck ziehen sie in die Wälder, wo sie ihre naturgemäße Nahrung nicht finden – also knabbern sie Rinden an und machen Verbissschäden. Die Schäden sind jägergemacht, und damit haben sich die Jäger ihre Abschusslegitimation selbst geschaffen. Wildschweine vermehren sich, weil, wie Wildbiologen übereinstimmend feststellten, die Sozialstruktur der Rotten zerschossen wurde und nun alle Sauen rauschig sind und belegt werden.
Das Problem mit den Wildschweinen ist jäger- und landwirtgemacht, zum Beispiel wird Mais bis an die Waldsäume hin angebaut – also ein Speisezimmer direkt vor dem Schlafzimmer. Blöd wären die Wildschweine, würden sie es nicht nutzen.
Füchse sind die Lieblingsfeinde der Jäger. Jetzt können sie nicht mehr Angst mit der Tollwut machen, nun sind es die Räude und der Niederwildschaden. Füchse, die früher mal ihre Reviere hatten und dort ihre Jungen in begrenzter Zahl nach Futterangebot aufzogen, werden derartig gejagt, dass sie viel mehr Junge unter dem Jagddruck bekommen und die immer wieder zerschossenen Paarbindungen auch nicht mehr aufrechterhalten werden. Was tun ihnen die Füchse, die überwiegend von Mäusen leben, wie Untersuchungen zeigten? Sie locken einfach dazu, die Finger krumm zu machen und perverse Fantasien auszuleben, denn der Fuchskörper ist nicht essbar und das zerschossene Fell unbrauchbar. Durch die starke Bejagung der Füchse werden auch Krankheiten, z. B. früher die Tollwut, heute die Räude lustig verschleppt und verbreitet. Also was ist es? Es gibt keine Jägerlüge, die nicht von Wildbiologen längst widerlegt wäre.
Außerdem führen sich viele Jäger so auf, als würden sie am liebsten jeden Spaziergänger, besonders die mit Hunden, aus dem Wald verbannen. Unbejagte Gebiete zeigen, dass die Natur sich selbst bestens reguliert. Aber die Lobbyarbeit der Jäger ist bis in die höchsten Kreise von Politik und Justiz hinein mit viel und ausdauerndem Aufwand erfolgreich betrieben, so dass man sachlichen wissenschaftlichen Argumenten gegenüber nicht zugänglich ist. Nichts als Tötungsgeilheit rechtfertigt die vielen Haustierabschüsse, besonders Katzenabschüsse, mit denen sich die Jäger in ihren Foren brüsten und öffentlich zu den „drei S“ aufrufen: Schießen, Schaufeln, Schnauze halten. Dieser Ausspruch eines Jägers spricht doch Bände.
Der Neurologe, mehrfach ausgezeichnete Psychoanalytiker, Schriftsteller, Ehrendoktor der Universität Klagenfurt und passionierte Jäger Paul Parin schreibt in seinem Buch „Die Leidenschaft des Jägers“: Seit meinen ersten Jagdabenteuern weiß ich: Jagd eröffnet einen Freiraum für Verbrechen bis zum Mord und für sexuelle Lust, wann und wo immer gejagt wird. Wenn man über Jagd schreibt, muss man über geschlechtliche Lust schreiben und über Grausamkeit und Verbrechen…Die wirkliche Jagd ist ohne vorsätzliche Tötung nicht zu haben. Leidenschaftlich Jagende wollen töten. Jagd ohne Mord ist ein Begriff, der sich selber aufhebt.“
KARIN OEHL, PULHEIM
Anmerkung:
Wir wollen mit diesem Artikel jedoch keinesfalls ein Pauschalurteil fällen !
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